Uiguren
Uiguren: turksprachige, überwiegend muslimische Volksgruppe in Zentralasien mit Hauptsiedlungsgebiet in der nordwestchinesischen Region Xinjiang. Nach offiziellen Angaben der Volksrepublik China leben rund elf Millionen Uiguren in Xinjiang.
Sprachlich sind die Uiguren mit den Türken, Kasachen und Usbeken verwandt; ihre Sprache, das Uigurische, gehört zur turksprachigen Familie. Religiös sind die meisten Uiguren sunnitische Muslime. Die kulturelle Identität ist eng mit der Region Xinjiang verbunden, deren Name auf Chinesisch „Neue Grenze” bedeutet; Uiguren selbst und Aktivisten verwenden für das Gebiet auch den Namen „Ost-Turkestan”.
Die Situation der Uiguren in Xinjiang steht international in der Kritik. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch, Amnesty International und das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR) dokumentieren in einem Bericht von 2022 großangelegte Internierungslager, Überwachung, religiöse Einschränkungen und Zwangsarbeit. Die Volksrepublik China bestreitet diese Darstellungen und beschreibt die betroffenen Einrichtungen als „Berufsbildungszentren” zur Terrorbekämpfung und Berufsqualifikation. Die Volksrepublik weist außerdem die Bezeichnung „Genozid” zurück, die von mehreren westlichen Parlamenten — darunter das US-Repräsentantenhaus, das britische Unterhaus und der niederländische Parlament — auf die Politik in Xinjiang angewandt wird.
Wirtschaftlich ist Xinjiang von strategischer Bedeutung: Die Region ist reich an Erdöl, Erdgas und seltenen Erden, durch sie verlaufen Pipeline- und Bahnstrecken im Rahmen der chinesischen Belt-and-Road-Initiative, und sie produziert einen erheblichen Anteil der weltweiten Baumwolle.
Eine uigurische Diaspora besteht in der Türkei, Kasachstan, Deutschland und mehreren weiteren Staaten.