Sorben
Sorben (auch Wenden): westslawische Volksgruppe und nationale Minderheit in Deutschland. Die rund 60.000 Sorben leben hauptsächlich in zwei Kerngebieten der Lausitz: Obersorben in der Oberlausitz im Freistaat Sachsen (Bautzen, Kamenz) und Niedersorben in der Niederlausitz in Brandenburg (Cottbus, Spreewald).
Sprachlich gehören die Sorben zu den Westslawen, verwandt mit den Polen, Tschechen und Slowaken. Sie sprechen zwei getrennte Sprachen: das Obersorbische (Hornjoserbšćina) mit rund 13.000 aktiven Sprechern sowie das stark gefährdete Niedersorbische (Dolnoserbski) mit wenigen tausend Sprechern. Beide Sprachen werden in der Schule unterrichtet, in zweisprachigen Ortsschildern verwendet und durch den öffentlich-rechtlichen Sender MDR/RBB in eigenen Sendungen gepflegt.
Historisch siedelten Slawen seit dem 6. Jahrhundert im heutigen Ost- und Mitteldeutschland. Aus den damaligen Stämmen der Milzener und Lusizer entstanden die heutigen sorbischen Gemeinschaften. Über Jahrhunderte erlebten sie unterschiedliche Phasen kultureller Eigenständigkeit, Germanisierung und gezielter Verfolgung, vor allem während der NS-Zeit. In der DDR genossen sie als anerkannte Minderheit gesonderten Schutz.
Heute sind die Sorben durch das Grundgesetz und mehrere Landes- und Bundesgesetze als nationale Minderheit anerkannt. Vertretung ist über die Stiftung für das sorbische Volk geregelt, die Dachorganisation Domowina vereint sorbische Vereine und Initiativen. Charakteristische Bräuche sind das Osterreiten, das Hexenbrennen, der „Vogelhochzeit”-Brauch und farbenfrohe Trachten — Letztere sind Teil sorbischer Identität und unterscheiden sich nach Region und Lebensphase.