Liquid-Democracy
Englisch „flüssige Demokratie”: Bezeichnung für ein Modell, in dem jeder Stimmberechtigte selbst über eine Frage abstimmen oder seine Stimme themenspezifisch an eine Vertrauensperson delegieren kann.
Der Begriff „liquid” verweist auf den Mischcharakter des Modells: Liquid Democracy soll die feste Trennlinie zwischen repräsentativer und direkter Demokratie auflösen und einen fließenden Übergang zwischen beiden Formen ermöglichen. Anders als bei einer klassischen Wahl ist die Delegation jederzeit widerrufbar und kann für jedes Thema einzeln erfolgen.
Das Konzept stützt sich auf die Annahme der „kollektiven Intelligenz”: Da jeder Beteiligte zum Diskurs beitragen kann und Delegierte für ihre Stimme rechenschaftspflichtig bleiben, sollen Fehlentscheidungen schneller auffallen und korrigiert werden. Bekannt gemacht wurde die Idee unter anderem von Martin Häcker und Daniel Reichert vom Verein Liquid Democracy e.V. auf dem 26. Chaos-Computer-Congress 2009.
Den prominentesten Praxistest unternahm die Piratenpartei mit der Software „Liquid Feedback”, über die Parteimitglieder Anträge einbringen, diskutieren und abstimmen konnten. Mit dem Bedeutungsverlust der Piratenpartei ab Mitte der 2010er Jahre verlor auch Liquid Democracy als parteipolitisches Projekt an Sichtbarkeit. Vergleichbare Verfahren werden weiterhin in genossenschaftlichen, gewerkschaftlichen und akademischen Kontexten erprobt.