Kunstleder
Kunstleder: Sammelbegriff für Materialien, die das Aussehen und teilweise die haptischen Eigenschaften von Leder nachahmen, jedoch industriell aus textilen Trägern und Kunststoff-Beschichtungen oder pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden. Kunstleder enthält im Gegensatz zu echtem Leder keine tierische Haut.
Klassisches Kunstleder besteht aus einem Gewebe- oder Vlies-Träger (häufig aus Baumwolle, Polyester oder Mischgewebe), auf den eine Kunststoff-Schicht aufgetragen wird. Verbreitet sind PVC-beschichtetes Kunstleder (preiswert, langlebig, allerdings ökologisch umstritten wegen Weichmachern wie Phthalaten) sowie Polyurethan-beschichtetes Kunstleder (geschmeidiger, atmungsaktiver, oft als „PU-Leder” gekennzeichnet). Beide Varianten werden in Möbel-Bezügen, Auto-Sitzen, Mode, Taschen und Schuhen eingesetzt.
In den 2010er und 2020er Jahren erschienen zunehmend bio-basierte Alternativen unter Bezeichnungen wie „Apfel-Leder”, „Kork-Leder”, „Pinatex” (aus Ananas-Blattfasern), „Mylo” (aus Pilz-Myzel) oder „Desserto” (aus Kaktus). Diese Materialien werben mit einer geringeren Umweltbelastung im Vergleich zu PVC und mit dem Verzicht auf tierische Rohstoffe; ihre tatsächliche Ökobilanz hängt jedoch stark vom Anteil bio-basierter Komponenten und der Verarbeitung mit Kunststoffen ab.
Rechtlich gilt in der EU eine strenge Trennung der Bezeichnungen. Nach DIN EN 15987 und nationalen Regelungen darf der Begriff „Leder” nur für aus tierischer Haut gegerbtes Material verwendet werden. Kunstleder muss als solches gekennzeichnet werden — etwa „Kunstleder”, „PU”, „PVC” oder „Synthetik-Leder”. Begriffe wie „veganes Leder” sind in der Werbung verbreitet, aber Gegenstand laufender Auseinandersetzungen mit den Leder-Verbänden.