H.264

H.264, auch AVC (Advanced Video Coding) oder MPEG-4 Part 10: weit verbreiteter Videocodec, der seit Mitte der 2000er Jahre den Standard für komprimierte Videos in Web, Rundfunk, Streaming und auf optischen Datenträgern bildet.

Entwickelt wurde H.264 gemeinsam von der ITU-T Video Coding Experts Group (VCEG) und der ISO/IEC Moving Picture Experts Group (MPEG); die erste Version wurde 2003 verabschiedet. Gegenüber dem Vorgänger MPEG-2 erreicht H.264 bei gleicher Bildqualität etwa die halbe Dateigröße. Anwendungsfelder reichen von Blu-ray-Discs und Digitalfernsehen über YouTube und Netflix bis zu Videokonferenz-Diensten wie Zoom und Microsoft Teams.

H.264 ist patentbelastet: Der Patent-Pool wird vom Lizenzverwalter MPEG LA (heute Via LA) verwaltet, die Lizenzgebühren werden von Hardware-, Browser- und Streaming-Anbietern entrichtet. Für die Ausstrahlung im Web ist H.264 kostenlos, sofern die Inhalte nicht hinter einer Bezahlschranke verbreitet werden. Diese Lizenzfragen trugen dazu bei, dass parallel offene Codecs wie VP8/VP9 (Google) und später AV1 (Alliance for Open Media) entwickelt wurden.

Inzwischen ist mit H.265 (HEVC) ein direkter Nachfolger spezifiziert, der bei gleicher Qualität nochmals deutlich kleinere Dateien erzeugt; durch ein komplexes Lizenzmodell verbreitet sich HEVC im Web jedoch langsamer als ursprünglich erwartet. Der unkommerzielle AV1-Codec wird seit Ende der 2010er Jahre zunehmend in Streaming-Diensten eingesetzt und gilt als wahrscheinlicher H.264-Nachfolger für das offene Web.

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