Graphic Novel

Graphic Novel, deutsch grafischer Roman: erzählerisch ambitionierte Langform des Comics in Buchform, oft mit literarischem, autobiografischem oder gesellschaftskritischem Anspruch.

Der Begriff wurde Ende der 1970er Jahre vom US-Comic-Künstler Will Eisner geprägt, vor allem mit seinem Werk „A Contract with God” (1978). Anders als der klassische Comic-Strip oder das fortlaufende Heft will eine Graphic Novel in der Regel eine abgeschlossene Geschichte erzählen — ähnlich einem Roman. Damit grenzt sie sich von Fortsetzungs-Comics ab, deren Figuren über viele Jahre und Bände wiederkehren.

Inhaltlich reicht das Spektrum weit über die klassische Superhelden-Tradition hinaus. Art Spiegelmans „Maus” (1986/1991) über den Holocaust gewann 1992 als erster Comic den Pulitzer-Preis. Werke wie Marjane Satrapis „Persepolis” (autobiografisch über die Iranische Revolution), Alison Bechdels „Fun Home”, Joe Saccos Comic-Reportagen und Riad Sattoufs „Der Araber der Zukunft” zeigen, wie unterschiedlich Graphic Novels Stoffe verarbeiten — von politischer Reportage über Coming-of-Age bis Sci-Fi.

In Deutschland setzte die Graphic-Novel-Welle ab den 2000er Jahren ein, getragen unter anderem von Verlagen wie Reprodukt, avant-verlag und Carlsen. Heute werden Graphic Novels regelmäßig in Buchläden neben klassischer Belletristik geführt, finden Eingang in Leselisten und sind Gegenstand wissenschaftlicher Studien zur sequentiellen Kunst. Auch Adaptionen literarischer Klassiker wie „Der Process” oder „Die Verwandlung” haben sich als Form etabliert.

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