Grameen Bank
Grameen Bank: bangladeschische Mikro-Finanz-Bank, gegründet 1983 von dem Ökonomen Muhammad Yunus. Die Grameen Bank gilt als Pionier der modernen Mikrofinanz und ist mit über neun Millionen Kreditnehmerinnen — überwiegend Frauen aus ländlichen Regionen — eine der größten Mikrofinanz-Institutionen der Welt.
Yunus, geboren 1940 in Chittagong, begann das Konzept ab 1976 in einem Dorf nahe der Universität Chittagong zu erproben. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass arme Menschen in Bangladesch zwar arbeiten wollten, aber keinen Zugang zu kleinen Anfangs-Krediten hatten und stattdessen von Geldverleihern mit hohen Zinsen abhängig waren. Yunus’ Modell: kleine Kredite — typischerweise wenige Dollar — ohne dingliche Sicherheiten, vergeben an Frauen in Gruppen, die sich gegenseitig zur Rückzahlung verpflichteten.
1983 wurde die Grameen Bank als eigenständige Bank per Gesetz konstituiert. Die Bank gehört mehrheitlich ihren Kreditnehmerinnen, die zugleich Anteils-Eigner sind. Charakteristisch sind die hohen Rückzahlungs-Quoten von über 95 Prozent, das Gruppen-Modell, regelmäßige wöchentliche Treffen sowie die Kombination von Kleinkrediten mit Spar-Angeboten, Versicherungen und Bildungs-Initiativen.
2006 erhielten Yunus und die Grameen Bank gemeinsam den Friedensnobelpreis „für ihre Anstrengungen, wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten zu schaffen”. Das Modell wurde weltweit adaptiert und prägte die Mikrofinanz-Branche maßgeblich. In den 2010er Jahren geriet die Mikrofinanz international in die Kritik wegen Überschuldung, hoher Effektiv-Zinsen und teils kommerziell überdehnter Strukturen. Yunus selbst wurde 2024 nach Jahren juristischer Auseinandersetzungen rehabilitiert und im August 2024 zum Chef der Übergangs-Regierung Bangladeschs ernannt.