Gerbung
Gerbung: Verfahren zur Umwandlung roher tierischer Häute in Leder. Durch die Gerbung wird die rohe, leicht verderbliche Haut in ein haltbares, flexibles und je nach Verfahren wasserabweisendes Material verwandelt. Das Verfahren ist Jahrtausende alt und gehört zu den ältesten Handwerks-Techniken der Menschheit.
Vor der eigentlichen Gerbung steht eine Reihe von Vorbereitungs-Schritten: Konservieren der Häute durch Salzen, Reinigen, Enthaaren (durch Kalk oder enzymatische Verfahren), Entfleischen und Beizen. Erst danach folgt das Gerben, bei dem Gerbstoffe in die Hautfaser eindringen und mit dem Kollagen eine stabile Verbindung eingehen.
Wirtschaftlich bedeutendste Verfahren sind die Chrom-Gerbung mit Chrom(III)-Salzen und die pflanzliche Gerbung mit Eichen-, Fichten-, Mimose- oder Quebracho-Rinde. Die Chrom-Gerbung dominiert seit dem späten 19. Jahrhundert die industrielle Leder-Produktion — sie ist deutlich schneller (24 bis 48 Stunden statt mehrerer Wochen), liefert ein geschmeidigeres Material und ist günstiger. Pflanzlich gegerbtes Leder gilt als ökologisch verträglicher, ist fester und wird vor allem für Sohlen, Sattlerei und hochwertige Lederwaren verwendet.
Daneben existieren weitere Verfahren: Sämischgerbung (mit Fischtran, für sehr weiches Wildleder), Aldehyd-Gerbung (sogenanntes „Chrom-freies Leder”), Alaun-Gerbung (Weißgerbung) und mineralische Mischverfahren. Die Lederindustrie ist seit Jahrzehnten in der Kritik wegen Umwelt-Belastungen — insbesondere durch chrom-haltige Abwässer und gesundheitlich relevante Bedingungen in einigen Schwellenländern. Programme wie der „Leather Working Group”-Standard zertifizieren umwelt- und sozial-verträglichere Gerbereien.