Generation Praktikum
Generation Praktikum: in den 2000er Jahren geprägter Begriff für die Beobachtung, dass zahlreiche Hochschul-Absolventen in Deutschland nach dem Studium längere unbezahlte oder schlecht bezahlte Praktika absolvierten, bevor sie eine reguläre Anstellung fanden. Der Begriff wurde 2005 durch einen Beitrag der Wochenzeitung „Die Zeit” populär.
Hintergrund waren mehrere Faktoren: ein angespannter Arbeitsmarkt nach dem Platzen der Dotcom-Blase, eine zunehmende Bedeutung praktischer Erfahrung als Einstellungs-Kriterium sowie die rechtliche Grauzone des „Volontariats” und unbezahlter Praktika nach Abschluss eines Studiums. Insbesondere in Branchen wie Medien, Verlags- und Kultur-Sektor, Politik und Public Relations berichteten Betroffene von Praktikumsketten über mehrere Jahre.
Die Debatte führte zu einer politischen Reaktion. 2015 trat in Deutschland das Mindestlohn-Gesetz in Kraft, das auch für Praktika gilt — mit Ausnahmen für Pflicht-Praktika während Ausbildung und Studium sowie freiwilliger Praktika bis zu drei Monaten Dauer im Anschluss. Damit wurden viele zuvor unbezahlte Praktika regulierbar; gleichzeitig befürchteten Kritiker einen Rückgang des Angebots, was Studien anschließend nur teilweise bestätigten.
Soziologisch wird die Generation Praktikum heute als Symbol einer breiteren Entwicklung gesehen — der Prekarisierung früher Berufsbiografien, der Verlängerung der Berufseinstiegs-Phase und steigender Bildungs-Investitionen ohne entsprechende Renditen. Internationale Pendants existieren in der „Generation Stage” (Frankreich) und der „Intern Generation” (USA und Großbritannien).