Deutscher Herbst

Deutscher Herbst: politische Krisenzeit in der Bundesrepublik Deutschland im Herbst 1977, in der sich die Auseinandersetzung mit der linksextremistischen Roten Armee Fraktion (RAF) zuspitzte und das Land über mehrere Wochen in eine Staats- und Sicherheitskrise stürzte.

Auftakt war die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln durch ein RAF-Kommando, das vier Begleiter Schleyers tötete. Die Entführer forderten die Freilassung mehrerer inhaftierter RAF-Mitglieder, darunter Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt entschied im sogenannten „Krisenstab”, die Forderungen nicht zu erfüllen.

Zur Erhöhung des Drucks entführte ein verbündetes palästinensisches Kommando am 13. Oktober das Lufthansa-Flugzeug „Landshut” auf dem Weg von Mallorca nach Frankfurt. Nach einer mehrtägigen Odyssee landete die Maschine in Mogadischu (Somalia), wo sie in der Nacht zum 18. Oktober von der deutschen Anti-Terror-Einheit GSG 9 erfolgreich gestürmt wurde. Alle Geiseln überlebten.

In derselben Nacht starben in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim Baader, Ensslin und Raspe in ihren Zellen — nach offiziellen Ermittlungen durch Suizid; alternative Darstellungen wurden später diskutiert, aber nicht belegt. Am Tag darauf wurde Schleyer von seinen Entführern erschossen. Der Deutsche Herbst markiert eine tiefgreifende Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik und löste eine breite Debatte über Sicherheitsgesetzgebung, Bürgerrechte und das Verhältnis zwischen Staat und Demokratie aus.

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